06.03.1993

Nordkirchen, Wiedau-Halle, CD-Release "The slaughter and the cow"

Matthes Kersting - Christian Zimmer - Dieter Schlierkamp - Sabine Kersting - Sandra Rengshausen - Ludger Witthoff

Von einer randvollen Halle, 1x220Volt und einem Würstchengrillmeister, der in letzter Minute das Weite suchte.

 

Niemand nimmt einem den Aufbau. Trotz vieler Arbeit ist es dann doch immer ein Ereignis, wenn das Drumrum passt und die Bühne steht. Auch sehr schön, dass die Ver- und Entsorgung des Lokuswagens stets den Bandmitgliedern vorbehalten bleibt.

   

Onkel Bernhard war angesichts einer einzigen 220-Volt-Strippe ziemlich überfordert. Auf der Bühne fielen somit recht oft die Effektspuren, diverse Verstärker und ab und zu ein paar Lampen aus. Angesichts derart notdürftiger Versorgung durfte sich niemand beschweren, dass an dem Abend gehungert werden musste.

Wer sich weigerte zu hungern, war der "special guest" - MARILYNS ARMY aus Essen. Die Band kehrte in der seinerzeit noch präsenten Pizzeria "La Farfalla" ein, in der erfahrungsgemäß Dekaden auf Gerichte gewartet werden musste. So verschob sich dann auch alles.

Auf keinen Fall soll das die grandiose Performance dieser zu Recht abends noch als "beste deutsche Band" bezeichneten Künstler schmälern. Dieser hingebungsvolle Auftritt war eine Sternstunde und wurde auch entsprechend bejubelt.

Unglaublich war die spektakuläre Publikumsresonanz der Veranstaltung. 750 Zuschauer fanden den Weg in die Wiedau-Halle, die eigentlich nur von ortskundigen Menschen überhaupt zu orten ist. Irgendwo zwischen Taiga, Tundra und ewigem Eis im tiefsten Münsterland verborgen fristet sie ihr Dasein und wurde an diesem Abend von dieser Ansammlung heimgesucht.

Ein Segen, dass der Titelstar der "The slaughter and the cow"-CD, die an diesem Abend Premiere hatte, Wilhelm Wiedau, den ganzen Vortag damit verbracht hatte, die ganze Halle mit dem Gabelstapler leer zu räumen. An dieser Stelle sei ihm nochmals aus tiefstem Herzen dafür gedankt. Auch für seine Darbietung als "slaughter". Einen besseren hätten wir nie finden können.

So ging es irgendwann weiter mit einem aufgrund der näheren Umstände recht nervösen Auftritt von PLATTROCK.

 

Nach anfänglichen diversen technischen Ausfällen wurde es besser. Und der Stimmung tat das ganze keinen Abbruch. Es wurde gejubelt, getanzt und gefeiert.

 

Ein Jammer, dass unser Grillmeister kurz vor Schluss abgesagt hatte. Er ist wohl einer Eingebung gefolgt, die ihm zuvor verraten hatte, auf welche Würstchenmenge er sich einzustellen hatte. Der fühlte er sich offensichtlich nicht gewachsen. So musste der Hunger abends mit Flüssignahrung gestillt werden. Für die Veranstalter selbstverständlich ein Fiasko...

Doch es war nicht zu ändern, und es hat sich letztendlich auch niemand beschwert. So blieb am Ende gute Stimmung und die Erinnerung an eine wirklich gelungene CD-Premiere.