20.08.1994

Nordkirchen, Sportplatz, 2. Nordkirchener Open-Air

Matthes Kersting - Christian Zimmer - Dieter Tinkloh - Sabine Kersting - Ludger Witthoff

 

Das von Plattrock organisierte erste Open-Air an selber Stelle 1992 war ein so großer Erfolg auch für das Ansehen der Gemeinde Nordkirchen, dass man Plattrock die Obergewalt für die Organisation vorsorglich erst einmal entzog. Man beauftragte jemanden damit, der sich mit solchen Dingen viel besser auskannte. Aufgrund seiner Vorgehensweise wurde es dann auch das erwartete finanzielle Desaster. Fortan zog sich die Gemeinde mit sofortiger Wirkung aus der Organisation eines Nordkirchener Open Airs vermutlich für die nächsten 500 Jahre zurück.

Plattrock wurde jedoch als musikalische Berater mit der Bandauswahl beauftragt. Die Band war sich schnell einig, mit "Royal Incest" die seinerzeit beste lokale Band und langjährigen Konzertbegleiter zu engagieren. Die Band war bestens gelaunt und lieferte die gewohnt energiegeladene Show. Aber man hatte den Eindruck, hier ging noch mehr als sonst. Das lag sicherlich an der Mega-Bühne, dem Umfeld, oder dem leckeren Buffet (welches eigentlich nur Stefan Stoppok vorbehalten war). Aber wichtigster Grund war sicherlich, dass "Royal Incest" durch Abwesenheit des Drummers Markus Funnemann zunächst das Line-Up durcheinanderbrachte. Markus war im Krankenhaus und sah Vaterfreuden entgegen. So eine Geburt dauert bekanntlich manchmal viele Stunden, und so blieb es auch noch spannend, als sich "Kinky Garlic" gern bereit erklärte, den Platz zu tauschen und den Opener zu markieren. Markus war aber bestens gelaunt früh genug da, um dann ohne Verzögerung energiegeladen an zweiter Stelle zu spielen.

 

 

Auch mit "Kinky Garlic", ein Duo bestehend aus Hirzel Hirzelnsen (Tonfonczky Club; Teddy Connetti; Mixer von Mr. Irish Bastard's letzter CD, etc...)

 

und Schringo (Helge Schneider, etc...)

wurde voll ins Schwarze getroffen. Leider noch im "Vormittagsprogramm" hat sich das Duo in die Herzen der bis dahin leider noch wenigen Zuschauer gespielt. Spätestens nachdem sich Hirzel mit "Vultimitaminsaft" vollgekleckert einen Wettlauf mit den Sportplatzwespen liefern musste, war das Eis geschmolzen.

 

Der "Xanxverein" aus Essen/Dortmund/Münster sang in den Umbaupausen und hatte extra mit Plattrock als finale Zugabe "Ho Bada Hea Hoa" als choralen Höhepunkt einstudiert. Da kurz vor Konzertende jedoch Stefan Stoppok nervös wurde, wurde das bis dahin wirklich tolle Konzert von Plattrock leider abgewürgt, und so kam der "Xanxverein" nicht mehr auf die Bühne. So blieb trotz der tollen Kulisse ein bitterer Beigeschmack.

Beim Plattrock-Konzert waren mittlerweile schon mehr Zuschauer eingetroffen, und die Stimmung war schon richtig gut. Sie wurde immer besser, und es wurde vor der Bühne gut gefeiert.

Das Engagement von Stefan Stoppok hat die Gemeinde vorgeschlagen und trotz Bedenken der Band hinsichtlich der finanziellen Durchführbarkeit auch in die Tat umgesetzt. Die Organisatoren setzten alles daran, es Stefan Stoppok auch recht zu machen. Alle 50 Meter bis zur Bühne wurde ein Extra-Roadie gewünscht und selbstverständlich auch engagiert. Für das Buffet wurden nur Dinge besorgt, die auf Stefans Wunschzettel standen. Sein Management wurde sogar extra angerufen, um zu fragen, ob "Mumm" als Sekt auch trocken genug war. Gut, dass die fleißigen Helfer ein Hintertürchen fanden, durch welches die anderen Bands eingelassen wurden, um sich an den feinen Sachen auch gütlich zu tun. Abgesehen davon war Stefan Stoppok selbstverständlich ein Highlight, und mit neuer Kurzhaarfrisur war sofort Riesenstimmung am Nordkirchener Sportplatz. Auch kamen endlich die zahlreichen Lampen super zur Geltung, jetzt, wo sie endlich eingesetzt wurden.

So wurde es musikalisch ein tolles Festival. Die Bühne wurde selbstverständlich nicht in tagelanger Herzblutaktion selbst gebaut, sondern bestellt. Was das Festival nicht günstiger macht. Trotzdem war es ein Riesenfest.